Samstag, 23. Mai 2015

Honigtot

... von Hanni Münzer ist im April 2015 als Taschenbuch im Piper-Verlag erschienen, es hat 466 Seiten und kostet EUR 9,99. Ich habe es als Testleser von Weltbild erhalten.


Zum Inhalt:

Ausgelöst durch den Tod ihrer Mutter, Maria, begibt sich Martha fluchtartig auf eine Reise in die Vergangenheit. Durch dieses unangekündigte Verschwinden werden ihr Mann und ihre Tochter Felicity sehr beunruhigt. Hals über Kopf geht Felicity auf die Suche nach Martha. Nachdem sie diese aufgespürt hat, entdecken sie gemeinsam die Familiengeheimnisse, die Maria bis dahin vor ihnen verborgen hatte.
 
Ein Zitat aus dem Buch (Seite 103), das nachdenklich stimmt:
... Sogleich schämte er sich - dies bereits zum zweiten Mal binnen weniger Minuten. Selbst wenn es sich bei dem Betroffenen nicht um seinen mutigen Freund handeln sollte, wie konnte er leichten Herzens jemand anderem das Unglück wünschen? Es war das ewige Kreuz der Menschheit. Ein jeder sah nur auf sich selbst und jene, die ihm am nächsten standen. Erleichtert seufzte man auf, wenn einen das Unglück nicht persönlich getroffen hatte. Um des eigenen Friedens willen zimmerte man sich seine Argumente zurecht - denn aus irgendeinem berechtigten Grund werden die Dinge wohl geschehen sein, nicht wahr? Also keinen weiteren Gedanken daran verschwenden, wegsehen, das eigene Leben in Ruhe wieder aufnehmen - schließlich hatte man am eigenen Joch genug zu tragen ...
 
Meine Meinung:
Das Cover des Buches finde ich sehr gelungen, denn es macht deutlich, um wen es in diesem Buch in erster Linie geht: um die Frauen.  
Hanni Münzer hat mit „Honigtot“ eine beeindruckende Familiengeschichte über vier Generationen geschrieben, die geprägt ist von Liebe und Verrat sowie den Schrecken des Nationalsozialismus. Trotz aller Grausamkeiten, die zur Sprache kommen, bleibt viel Raum für Zwischenmenschliches. Die Verquickung historischer Begebenheiten mit der Lebensgeschichte von Elisabeth Malpran und ihren Nachkommen ist sehr gut gelungen und hat nie etwas Belehrendes.  
Die Protagonisten sind bis in die kleinste „Nebenrolle“ detailliert beschrieben, mit allen Stärken und Schwächen. Dies läßt sie sehr lebendig wirken, zumal auch immer wieder geschickt Einblicke in ihr „Seelenleben“ von der Autorin eingebaut werden.  
Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen, auch die geschichtlichen Zusammenhänge kamen mir nie trocken und langatmig vor. Es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen.  
Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist das Ende. Der Schluß erscheint mir ein wenig zu sehr auf Happy-End ausgelegt zu sein. Nichts gegen ein Happy-End, aber es darf m.E. nicht so überstürzt und ohne richtige Einbettung in die Story kommen.
Auf meiner Schulnoten-Skala gibt es eine 1-2.

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